Architecture Communication Canvas: Komplexe Architekturen verständlich kommunizieren

Komplexe Software-Architekturen einfach kommunizieren: Tutorial zum Architecture Communication Canvas mit praktischen Beispielen und Templates.

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Volker Valerius

Senior Software Engineer & KI-Transformations-Experte

⏱️ 8-10min Lesezeit
Architecture Communication Canvas Tutorial

Architecture Communication Canvas

-Komplexe Architekturen verständlich kommunizieren-

Kennt Ihr das? 15 Minuten Zeit in einem Meeting und Du möchtest Deinen Stakeholdern oder 'benachbarten' Teams, die komplexe Microservice-Architektur des Produkts erklären?

Funktioniert nicht: Power-Point-Folien oder der Einstieg in die Architektur-Doku.
--> Du wirst nicht verstanden oder hängst Die Interessierten technisch ab!

Was hilft: Architecture Communication Canvas oder kurz ACC.
Auf genau einer Seite dokumentierst Du, genau für Deine Zielgruppe, die wichtigsten Aspekte

  • der Requirements
  • der Lösungen, die das Team gefunden hat
  • und welche Probleme (potentiell) existieren.
    --> Kurz, knapp und leicht verständlich.

Die Idee lernte ich in einem Tech-Talk mit Gernot Starke kennen – einem der Co-Founder und Maintainer von arc42. Das Tool hat sich als Game-Changer erwiesen. Lest dazu die praktischen Erfahrungen...

Meine praktischen Erfahrungen

Sieben Hauptanwendungsfälle

Sieben (Haupt-)anwendungsfälle habe ich gefunden, in denen das Architecture Communication Canvas mir hilft:

1. Kickstart für Architektur-Dokumentation

Oftmals muss ich eine Architektur dokumentieren und stehe vor einem leeren Blatt – der Beginn fällt schwer. Hier hilft das ACC beim Kickstart: Die vorgegebene Struktur führt mich durch die wichtigsten Punkte aus dem arc42-Universum, kurz und prägnant. Bereits beim Schreiben bemerke ich, welche Punkte eine intensivere Ausarbeitung benötigen. Diese kann ich dann entweder in einem separaten, detaillierteren ACC dokumentieren oder direkt in der vollständigen arc42-Dokumentation ausarbeiten.

Pro-Tipp: Nutzen Sie das ACC als "Architektur-Brainstorming". 30 Minuten Canvas ausfüllen geben Ihnen oft mehr Klarheit als stundenlange Überlegungen vor dem leeren Dokument.

2. Stakeholder-Kommunikation ohne Überforderung

Regelmäßig muss ich den Fortschritt des Projekts und dessen Architektur zu Stakeholdern kommunizieren. Weil im ACC nur die wichtigsten Konzepte und keine technischen Details dokumentiert werden, sind die nicht-technischen Stakeholder keiner Überforderung ausgesetzt. Das Verständnis entsteht oft sehr schnell, und interessant: Das ACC regt die Stakeholder zu tiefergehenden Fragen an – ein Zeichen, dass sie wirklich verstanden haben, worum es geht.

3. Effizientes Team-Onboarding

Das ACC eignet sich perfekt beim Onboarding neuer Team-Mitglieder. Auch hier führt es oft zu tiefergehenden Architektur-Fragen – ein Indikator dafür, dass das neue Teammitglied bereits die Grundlagen verstanden hat und bereit für Details ist.

4. Versionierung und Change-Dokumentation

Sollte ich Veränderungen in der Architektur dokumentieren, erstelle ich einfach eine neue Version eines ACC. Im Kopf des ACC sind dafür das Datum- und Versionsfeld vorgesehen. In einem Meeting kann ich dann die Änderungen farblich markieren und sie damit leicht sichtbar machen – ein enormer Vorteil gegenüber seitenlangen Änderungsdokumenten.

5. Divide & Conquer für komplexe Systeme

Oft bemerke ich beim Ausfüllen eines ACC, dass ein Teilaspekt eine stärkere Dokumentation benötigt. Dann erstelle ich für den Teilaspekt ein eigenes ACC und verlinke es im Eltern-ACC. Ich nenne dieses Vorgehen "Divide & Conquer", da ich große Probleme oder Dokumentationen in mehrere kleinere aufteilen kann – ein mächtiges Konzept für Enterprise-Architekturen.

Hierarchische Canvas-Struktur:

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Jede Ebene behält dabei die gleiche, vertraute Struktur.

6. Kollaborative Dokumentationsplanung

Das ACC ist ein hervorragendes Tool, um mit Entwicklern die Dokumentation zu planen. Wegen der Übersichtlichkeit und nur den primär wichtigen dokumentierten Punkten regt es die Entwickler an, tiefer in die Materie einzusteigen – ganz anders als bei seitenlangen Dokumentationsanforderungen.

7. Der Lerneffekt: Cognitive Pattern Recognition

Je mehr man Canvas nutzt, umso einfacher sind sie zu lesen. Der "Gehirnmuskel" merkt sich die immer gleiche Struktur und weiß den Inhalt direkt einzuordnen – also in die richtige gedankliche Schublade zu stecken. Das macht Reviews und Diskussionen deutlich effizienter.

Die Lösung: Architecture Communication Canvas verstehen

Was ist das Architecture Communication Canvas?

Das Architecture Communication Canvas ist ein visuelles Framework, entwickelt im Rahmen des arc42-Ökosystems. Es stellt Informationen auf einer einzigen, strukturierten Seite dar und folgt damit dem bewährten Prinzip des Business Model Canvas: Komplexität auf das Wesentliche reduzieren.

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Die Kernbereiche des Canvas

Das Canvas ist in mehrere strategische Bereiche unterteilt, die zusammen ein vollständiges Bild der Architektur ergeben:

Architecture Communication Canvas - Kernbereiche mit farbcodierten Bereichen

Die acht Kernbereiche des Architecture Communication Canvas

grüner Bereich: Requirements - Was soll das System tun?

  • Value Proposition: Was sind die Hauptaufgaben des Systems? Welchen Business-Value liefert es?
  • Key Stakeholders: Für wen bauen wir das System? Was sind die wichtigsten Kunden?
  • Core Functions: Was sind die wichtigsten Funktionen und Prozesse des Systems?
  • Quality Requirements: Was sind die wichtigsten [Qualitäts-Anforderungen und Ziele}(https://quality.arc42.org/full-quality-graph)?
  • Business Context: Welche Schnittstellen, benachbarte Systeme existieren? Wo kommen die Stammdaten her?

blauer Bereich: Solutions - Wie wurde es gelöst?

  • Core Decisions - Good or Bad: ? Welche Entscheidungen habe zu diesem System geführt?
  • Components/Modules: Was sind die wichtigsten Bausteines des Systems (modules --> components)?
  • Technologis: Was sind die wichtigsten Technologien, die eingesetzt wurden (Runtime und Development)?

roter Bereich: Impediments - Welche Problem hatten wir bzw. existieren immer noch?

  • Risks and Missing Informations: Welche Problem existieren und behindern uns bei der Entwicklung, Deployment,...

Best Practices für agile Teams

Wo kann es in agilen Teams verwendet werden?

  • Im Spring Planning um den Kontext zu setzen, Änderungen zu zeigen
  • Im Sprint Review um die Fortentwicklung von neuen Architektur-Komponenten zu zeigen
  • In der Retro um Änderungen schnell und transparent darzustellen um dann über die (techn.) Depts zu sprechen.

Tools und Templates

Digitale Tools:

  • Draw.io/Diagrams.net (kostenlos, mächtig, lässt sich schnell in jpg oder pdf konvertieren)
  • Miro/Mural (gut für die Kollaboration in Workshops)
  • Lucidchart (Enterprise-Features)

Kollaborations-Tipps:

  • Template im Team-Repository oder der Team-Cloud ablegen bzw. versionieren
  • Regelmäßige "Canvas Updates" im Team-Kalender ablegen oder im Sprint verankern
  • Screenshots für Präsentationen verwenden

Einsatz-Szenarios

Für neue Entwicklungen:

  • Canvas als Living Document während der Entwicklung
  • Regelmäßige Updates bei Architektur-Entscheidungen

Für Microservices:

  • Service-Landkarte als separates Element
  • abhängige Services dann auf eigenen ACCs visualisieren

Für Legacy-Systeme:

  • Fokus auf "As-Is" vs. "To-Be" Architektur
  • Migration-Pfad im Canvas darstellen

Haben Sie Fragen zur Anwendung von Architecture Communication Canvas? Kallisto-Consulting unterstützt Sie gerne bei der Einführung des Architecture Communication Canvas in Ihren Projekten. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Beratungsgespräch.